FSJ in Südafrika: Unsere Schülerin Emanuela Biyama (Jg. 12) mittendrin.

People: “Where do you work?“
Me: “I work in Lavender Hill”
People: “Lavender Hill??? Aren’t you scared of the shootings, the gang violence, crime, people, drugs? I would never step a foot into Lavender Hill you must be bulletproof or crazy to work there!”
Me: “It is lovely there”

Ich möchte euch einen Einblick geben. Einen Einblick in die schönsten, aufregendsten, gefährlichsten, traurigsten, lehrreichsten, herausforderndsten und spannendsten acht Monate, die ich während meiner Zeit in Südafrika haben durfte. Ich könnte euch nun mehr Adjektive aufzählen und ich nehme stark an, dass wir noch bis Morgen hier sitzen würden. Aber die wichtigsten sind vorerst genannt.

Südafrika Schule

Lavender Hill oder doch Redzone?

Alles ging relativ schnell, als ich die Zusage für meinen Freiwilligendienst bekommen habe, verflog die Zeit wie im Flug. Aufregende Wochen standen bevor: Getaktete Vorbereitungsseminare, Visaanträge, Führerscheinprüfung, Arztbesuche und vieles mehr. Ich hatte nicht viel Zeit, um meine Gedanken zu sortieren oder um nochmal die Entscheidung meines Freiwilligendienstes zu überdenken. Doch umso mehr ich meinen Mitmenschen von meinem Projekt erzählte, umso größer wurden meine Ängste und Zweifel.

Oftmals lassen wir Menschen uns zu unreflektierten Berichten, Urlaubsgeschichten und vielem mehr hinreißen und merken oft nicht, wie diese Eindrücke oder Erzählungen unsere Zuhörer beeinflussen. Bereits in Deutschland musste ich mir oft anhören, wie gefährlich Südafrika und meine Einsatzstelle sei und ob ich mir wirklich sicher sei, den Freiwilligendienst dort anzutreten. Ich bin mir sicher, dass diese Vorurteile keine bösen Absichten haben, jedoch können sie für Zweifel und Unsicherheit sorgen.

Als ich mich über das Projekt im Internet informiert habe, fand ich beängstigende Videos. Videos, die mich zurückschreckten, doch von denen ich mich keinerlei beeinflussen lassen wollte. Denn mir war klar, dass meine Einsatzstelle nicht Deutschland ist. Doch eins konnte ich feststellen und lernen, jedes Land hat seine schönen und abstoßende Seiten. Und keine dieser Seiten sollte uns davon abhalten, eine eigene Geschichte zu verfassen.

Mein Einblick in meine Einsatzstelle in Südafrika, Kapstadt

Gerade angekommen in Kapstadt, konnte ich bereits fühlen, dass dies die beste Entscheidung war, die ich im Leben treffen konnte. Ich arbeitete in der NGO „New World Foundation“, die im Township Lavender Hill aktiv ist. Die Community vor Ort ist durch hohe Arbeitslosigkeit, organisierte Kriminalität und Armut geprägt ist. Ich unterstützte eine Nachmittagsbetreuung von Kindern zwischen sieben und achtzehn Jahren. Nebenbei initiierte ich eine Selbsthilfegruppe für jungwerdende Mütter. Außerdem nahm ich an zahlreichen Veranstaltungen teil, wie z.B. Selbstverteidigungskursen, Lesungen aus Bestsellern zum Thema Rassismus, Elterntrainings und vielem mehr, welche von externen Organisationen angeboten wurden ist.
NWF ist eine großartige Organisation. Es wird eine Vielzahl von diversen Dienstleistungen für die Menschen vor Ort angeboten und ermöglichte mir Einblicke in jede Abteilung zu bekommen. Besonderen Gefallen hatte ich an der Arbeit im Frauenhaus gefunden, doch zur Sicherheit der Frauen war es mir nicht erlaubt, allzu tief eingebunden zu werden. Dennoch ein wunderbares Projekt, dass erst vor wenigen Jahren aufgebaut worden ist. Frauen, die im Umkreis Opfer sexueller oder verbaler Gewalt wurden, haben die Möglichkeit im Frauenhaus unterzutauchen und dort betreut und gegebenenfalls weitervermittelt zu werden.

Für mich war mein Projekt, viel mehr als nur ein Arbeitsplatz. Es wurde zu einer großen Familie.
Besonders gefiel mir das Arbeitsklima. Jeden Morgen tauschte ich mich mit liebenswertenden Mitarbeitern über interessante Themen aus, um auf dem neuesten Stand zu sein, bevor ich meine Pflichten verfolgte. Ständig versüßten sie mir den Tag mit ihrem guten Sinn für Humor und Empathie. Doch oftmals waren sie es die, die von Problemen zuhause wegrannten und nicht wussten wie sie den Monat überleben sollten. Diese schwierigen Lebenssituationen haben mich eindeutig vieles gelehrt. Ich bin unfassbar dankbar für die Erlebnisse und Erfahrungen, die ich sammeln durfte.

Lavender Hill ist viel mehr als eine Gefahrenzone. Es wohnen dort wunderbare Menschen mit großen Herzen. Gleichzeitig habe ich viele Schüsse gehört und Geschichten, die mich sehr mitgenommen und mein Leben verändert haben. Jedoch ist dies meine Erfahrung und meine Single Story.

Wenn man mich fragen würde, was Lavender Hill ausmacht, würde ich ganz klar sagen: Die Menschen mit ihren Geschichten und Erfahrungen, die Gastfreundschaft, ihre faszinierenden Kinder, die ich täglich betreuen durfte und ihre Tapferkeit. Natürlich haben sich einige Vorurteile bestätigt, viele Südafrikaner haben kein Gefühl für Pünktlichkeit und „now now“, kann tatsächlich auch vier Stunden später sein. Die Effizienz ihrer Arbeitseinstellung könnte ebenfalls kritisiert werden, da auch sie gerne lange Konferenzen halten. Doch letztens Endes kommen sie voran und das ist das Wichtigste. Und ich möchte hierbei ganz klar erwähnen, dass dies meine Erfahrungen aus Südafrika sind. Und dass sich die Erfahrungen, natürlich nicht auf die ganze Gesellschaft übertragen lassen.

Hierbei möchte ich nochmal erwähnen, das Kapstadt mit zu den beliebtesten Reisezielen gehört und aus meiner Sicht ebenso zu den schönsten Reiseorten. Wunderschöne Landschaften, coole Lokale, um mit Einheimischen in Austausch zu kommen. Großartige Clubs, leckeres Essen, beeindruckende Vibes, zuvorkommende Menschen und eine geniale Mentalität. Doch wir dürfen die Armut, Kriminalität, Arbeitslosigkeit sowohl Apartheid und Korruption nicht aus den Augen verlieren.

Emanuela Biyama (entwicklungspolitischer Freiwilligendienst bei Südafrika, Kapstadt August 2019 – März 2020)

Informationen zu den Bildern

  1. Image1: 22. Januar 2020: Das sogenannte Elternabend im Projekt, welches alle drei Monate stattfindet. Themenschwerpunkte: Ausflüge, Camps, spezielle Events, bestimmte Vorfälle mit den Kindern, benehmen der Kinder und Rückmeldungen.
  2. Image2: 19. Februar 2020: Meine erste Sitzung mit den jungwerdenden Mütter.
  3. Image3: 18. März 2020: Unsere Abschiedsparty, auf dem Foto, einige Jungs von den Junior und Senior boys.
  4. Image4: 18. März 2020: Ein Foto mit meiner Mitfreiwilligen und unseren Mädels, die wir donnerstags betreut haben. (Junior Girls Club)
  5. Image5: 18. März.2020: Es wird Zeit für ein Handabdruck. Jedes Mal, wenn es Zeit wird, dass die Freiwillige Abschied nehmen, werden die Hände an der Wand für ewig. Sodass Vorfreiwillige immer in Erinnerung bleiben.
  6. Image6: 18. März.2020: Nach der Abschiedsfeier, ein Foto mit der Direktion und Tochter der Direktion der Organisationen.
  7. Image7: 18. März.2020: Ein Bild von mir und zwei Mädels aus der Jugendgruppe (Senior Girls Club)
  8. Image8: 5. September 2020: Eine Belohnungsstunde mit den Kindern aus dem Junior Girls Club. Nach 4 Einheiten, gibt es immer eine Spaßstunde. Gemeinsam haben wir Obst am Spieß gemacht und gegessen.